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Tattag: 8. Dezember 1980
 
Attentäter: Opfer:
Mark David Chapman John Lennon
Mark David Chapman John Lennon
*10.05.1955 - †noch in Haft *09.10.1940 - †08.12.1980
  Englischer Musiker, Komponist, Autor und Gründungsmitglied der Beatles
Tatort: USA
Tatort: New York
Tatort: New York City
 
Die Tat
 
Mark David Chapman wurde am 10. Mai 1955 in Fort Worth, Texas, als ältester Sohn einer Krankenschwester und eines Stabsfeldwebels der US Air Force geboren und hatte noch eine sieben Jahre jüngere Schwester. Als Kind hatte er vor seinem Vater grosse Angst, da dieser seiner Frau und ihm gegenüber gewalttätig war. Deswegen entwickelte er wohl auch eine Fantasie, in der er gottähnliche Macht über eine Gruppe von kleinen Leuten hatte, die angeblich in den Wänden seines Kinderzimmers wohnten.
 
Chapman besuchte die Columbia High School in Decatur, Georgia, wo er als 14-jähriger begann Drogen zu nehmen, die Schule zu schwänzen, von zu Hause ausriss und 14 Tage auf der Strasse lebte. Wegen seiner schlechten sportlichen Leistungen wurde er immer wieder von seinen Schulkameraden gehänselt, ausserdem nahm er weiter Drogen. Dabei war er nicht sehr wählerisch und konsumierte praktisch alles, was er in die Finger bekam, wie Marihuana, LSD, Heroin, Meskalin und Barbiturate.
 
Als 16-jähriger konvertierte er zu den - Born Again Christian -, verteilte in deren Auftrag Bibelschriften und lernte in dieser Glaubensgemeinde seine erste Freundin Jessica Blankenship kennen. Chapman begann für die YMCA in einem Sommercamp als Betreuer zu arbeiten und war sehr beliebt bei den Kindern, die ihm den Spitznamen - Nemo - gaben. Für diese Tätigkeit bekam er eine Auszeichnung als herausragender Betreuer, stieg zum Assistenten des Direktors auf und alle die ihn kannten nannten ihn einstimmig einen hervorragenden Mitarbeiter und Betreuer.
 
Chapman war ein grosser Fan der Beatles und des Buches - Der Fänger im Roggen -, dessen Protagonist, Holden Caulfield, ihm immer mehr zum Vorbild wurde und sein Leben stark beeinflusste. Nach Abschluss der Columbia High School lebte er kurz in Chicago, wo er in Kirchen Gitarre spielte. Danach arbeitete er kurz im Libanon in einem Flüchtlingslager, kehrte aber in die USA zurück, wo er, wieder für die YMCA, ebenfalls in einem Flüchtlingslager für vietnamesische Kinder tätig war. Mit dem Campleiter dieser Einrichtung reiste er zu Treffen mit Regierungsmitgliedern, wobei er einmal auch in den Genuss kam dem damaligen Präsidenten Gerald Ford zu sprechen und ihm die Hand zu schütteln.
 
Chapman begann dann, gemeinsam mit seiner Freundin Jessica Blankenship, am Covenant College in Lookout Mountain, Georgia, zu studieren, konnte aber bald nicht mehr mit dem Lernstoff mithalten, weil er sich wegen einer Affäre schuldig fühlte. Deswegen bekam er Selbstmordgedanken und fühlte sich als Versager. Chapman schmiss das College und seine Freundin verliess ihn deswegen. Er begann wieder in einem Flüchtlingslager zu arbeiten, kündigte aber nach einem Streit und versuchte einen Job als Sicherheitsmann zu bekommen. Deswegen absolvierte er sogar einen einwöchigen Kurs, der ihn als bewaffneten Wächter qualifizierte. Doch er fand in diesem Arbeitsgebiet keine Beschäftigung, und so versuchte er sein Studium wieder aufzunehmen, was allerdings scheiterte. Danach beschloss er nach Hawaii zu ziehen und sich dort selbst zu töten.
 
Im Jahr 1977 legte er einen Staubsaugerschlauch, den er an den Auspuff seines Wagens angeschlossen hatte, in den Innenraum und versuchte sich zu vergasen. Dies misslang aber, weil der Staubsaugerschlauch schmolz. Als man ihn in seinem Auto fand, musste er in ein Krankenhaus eingeliefert werden, wo man ihn ärztlich versorgte und dann in die Psychiatrie überwies. Dort wurde er wegen seiner Depressionen behandelt, und begann dort nach seiner Entlassung auch in Teilzeit zu arbeiten. Dabei spielte er für die Patienten auf seiner Gitarre und kümmerte sich auch sonst um sie. In dieser Zeit liessen sich auch seine Eltern scheiden und seine Mutter zog zu ihm nach Hawaii.
 
1978 ging er auf eine sechswöchige Weltreise und sah sich verschieden Städte, wie Tokio, Seoul, Hong-Kong, Singapur, Bangkok, Delhi, Genf, London, Paris, und Dublin, an. Dadurch lernte er auch die japanisch-amerikanischstämmige Gloria Abe kennen, die in dem Reisebüro arbeitete, bei dem er gebucht hatte. Da sie ihn stark an die Frau seines Idols, John Lennon, Yoko Ono erinnerte, heiratete er sie am 2. Juni 1979. Nach der Hochzeit suchte er sich einen gutbezahlten Job im Castle Memorial Hospital, wo er aber immer wieder Streit mit den Krankenschwestern hatte und schliesslich kündigte. Chapman geriet auch mit dem Chef seiner Frau in Streit und brachte sie dazu sich eine andere Arbeit zu suchen. Danach fand er eine Anstellung als Nachtwächter und begann heftig zu trinken.
 
Chapman entwickelte eine Reihe von Obsessionen, wie Kunst, das Buch - Der Fänger im Roggen -, Musik und John Lennon, ausserdem begann er Stimmen zu hören. Im September 1980 schrieb er einen Brief an eine Freundin in dem er erklärte, dass es langsam verrückt werde und unterzeichnete ihn mit: - Der Fänger im Roggen -. Mittlerweile hatte sich seine Bewunderung für John Lennon aber in tiefen Hass verwandelt, da Lennon einmal die Aussage machte: - Wir sind berühmter als Jesus -. Diese Worte lagen zwar 14 Jahre zurück, aber dem gläubigen Christen Chapman, lagen sie nun wie ein Stein im Magen.
 
So beschloss er John Lennon zu töten, da er ihn für all seine Misserfolge verantwortlich machte und flog am 6. Dezember 1980 von Hawaii nach New York City, wo er sich in einer YMCA-Herberge einquartierte. Dort fühlte er sich allerdings von anderen Gästen gestört und zog am nächsten Tag ins Sheraton Centre Hotel um. Am 8. Dezember 1980 verliess Chapman sein Hotelzimmer und kaufte sich erst die neu LP von John Lennon - Double Fantasy -. Dann besorgte er sich in einem Buchladen eine Ausgabe von - Der Fänger im Roggen -, da er sein Exemplar in Hawaii vergessen hatte und platzierte sich vor dem Dakota Building, wo Lennon mit seiner Frau Yoko Ono wohnte.
 
Chapman wartete bis Lennon und Ono von einem Radiointerview zum Hotel zurückkehrten. Als die Beiden kurz nach 17 Uhr dort eintrafen ging Chapman auf Lennon zu und fragte ihn, ob er das Album, das er kurz zuvor gekauft hatte, für ihn signieren würde, was Lennon bereitwillig tat. Danach fragte Lennon, ob er sonst noch etwas für ihn tun könnte. Scheinbar erstaunt über die Freundlichkeit des berühmten Musikers zögerte Chapman mit seinem Vorhaben und liess Lennon mit Ono und den Vertretern des Radiosenders in einer Stretchlimousine wegfahren. Lennon fuhr zum Record Plant Studio, wo er noch einige Aufnahmen machte und kehrte erst um 22.48 Uhr zu seiner Wohnung im Dakota Building zurück, wo Chapman immer noch auf ihn wartete.
 
Entgegen seiner Gewohnheit gab Lennon seinem Fahrer die Anweisung nicht in den Innenhof zu fahren wie sonst, sondern er sollte ihn und Ono direkt vor dem Gebäude aussteigen lassen. Das Ehepaar ging an dem am Torbogen stehenden Chapman vorbei und als sie etwa sechs Meter von Chapman entfernt waren, zog dieser seinen Revolver Kaliber .38 und schoss fünfmal auf den Musiker. Lennon wurde viermal von hinten getroffen, zweimal in die Lunge, einmal in die Schulter und eines der Hohlspitzgeschosse durchtrennte seine Halsschlagader. Lennon konnte sich mit den Worten: - Iam shot! Iam shot! - noch über vier Stufen zur Haus-Rezeption hinauf schleppen, brach dann dort aber entkräftet zusammen.
 
Eilig herbeigerufene Polizisten setzten Lennon in ihren Dienstwagen und fuhren ihn ins Roosevelt General Hospital, wo er aber um 23.07 Uhr verstarb, weil er durch seine Halswunde etwa 80 % seines Blutes verloren hatte. Chapman machte zwischenzeitlich nicht einmal den Versuch zu fliehen, sondern blieb am Tatort und las seelenruhig in seiner Ausgabe von - Der Fänger im Roggen -. Er konnte ohne Komplikationen verhaftet werden. Drei Stunden nach seiner Verhaftung gestand er die Tat und begründete diese mit der Aussage, dass er in seinem Lieblingsbuch gelesen habe, dass er einen Prominenten töten müsse, um selber berühmt zu werden. Ausserdem könnte er so sein Lieblingsbuch ebenfalls weltberühmt machen.
 
Vor Prozessbeginn wurde Chapman von neun Psychiatern untersucht, von denen ihm sechs eine Psychose attestierten und somit eine Verteidigung auf - unschuldig wegen Unzurechnungsfähigkeit - gerechtfertigt hätte, was seine Anwälte auch anstrebten. Doch Chapman überstimmte seine Verteidiger und plädierte auf schuldig des Mordes zweiten Grades und erhielt eine Haftstrafe von 20 Jahren bis lebenslänglich. Seit dem Jahr 2000 hat er somit alle zwei Jahre ein Recht auf eine Bewährungsanhörung, die bis zum heutigen Tage aber immer abgelehnt wurde, da sich unter anderem Yoko Ono immer für eine weitere Inhaftierung ausgesprochen hatte, da sie sich immer noch von Chapman bedroht fühlte.
 
Mark David Chapman sitzt seit 1981 in der Attica Correctional Facility, ausserhalb von Buffalo, New York, und stellt weiter alle zwei Jahre einen Antrag auf Bewährung entlassen zu werden.
 
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